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Sara Margarethe Oskal
Foto: Emma Elliane Oskal Valkeapää
Foto: L.I. Somby, Poster: J.L. Valkeapää

Sara Margrete Oskal wuchs auf einer Rentier-Farm in Nordnorwegen auf und promovierte in Performance-Kunst an der Kunsthochschule Oslo. In Norwegen ist sie eine etablierte Schriftstellerin, veröffentlicht Gedichte und bald auch ihren ersten Roman. Mit ihrem Bühnenprogramm ist Sara Margrethe Oskal in Kanada und den Vereinigten Staaten, in Russland und Australien zu Gast. Am 4.12.2014 tritt sie mit ihrer Ein-Frau-Show The Whole Caboodle (ugs.: Die ganze Schose) in Berlin-Kreuzberg auf. In drei traditionell samischen Erzählungen schlüpft sie in unterschiedliche Figuren und verbindet das gesprochene Wort mit dem Joiken (samischer Kehlengesang).

  1. KULTURHUS BERLIN: Was hat dich dazu veranlasst künstlerisch tätig zu werden?

Ehrlich gesagt war ich als junge Frau sehr schüchtern, beim Schauspielern konnte ich jemand anderes sein und viel mutiger werden. Heute bin ich noch immer Schauspielerin, weil ich ein starkes Bedürfnis habe, Geschichten zu erzählen. Ich bin Geschichtenerzählerin und als solche weiß ich, dass jede Geschichte ihre eigene Formsprache braucht. Einige werden zu Gedichten, Kurzgeschichten, Theaterstücken, andere sind Drehbücher für Filme. Ich mag all diese Ausdrucksformen: die Schauspielerei, das Schreiben und Regieführen.


  1. KULTURHUS BERLIN: Du bist in Nordnorwegen geboren und in einer Rentier-Züchterfamilie aufgewachsen. Lebst du in deinem Alltag samische Traditionen? Welche und wie?

In meinem Alltag spreche ich samisch, koche traditionelle Gerichte und übe mich in samischem Kunsthandwerk. Ich gebe mein Wissen außerdem an meine Töchter weiter. An der Rentierzucht meiner Familie nehme ich nicht mehr teil, diese Zeiten sind vorbei. Manchmal macht es mich traurig an die Lebensweise zurückzudenken, die ich hinter mir gelassen habe, aber es war nicht mein Weg. Heute nutze ich mein Wissen über die samische Tradition in der Kunst, die ich erschaffe. Ich glaube nicht, dass ich so authentisch schreiben und schauspielern könnte, wie in dem Stück aus der Perspektive eines Rentiers, ohne meine Kindheit in einer Rentierzüchterfamilie.


  1. KULTURHUS BERLIN: Wie bist du auf die Themen in „The Whole Caboodle“ gekommen? Beziehst du in deine Stücke persönliche Erinnerungen, Erlebnisse und Erfahrungen ein?

Als Schriftstellerin habe ich mich zunächst gefragt, was mich an der samischen Gesellschaft stört. Dabei bin ich auf Systeme gestoßen, die auch in anderen Kulturen in Erscheinung treten. Die Erziehung von Mädchen und Jungen beispielsweise, Mädchen haben weniger Freiräume und es gibt viel mehr Regeln für Mädchen als für Jungen.

Ich habe auch beobachtet, dass samische Traditionen eingesetzt werden, um Druck aufeinander auszuüben. Fehlendes Wissen über Tradition kann gegen dich verwendet werden, so bist du kein wirklicher Sami, wenn du dies oder jenes nicht kennst, kein Samisch sprichst oder nicht joiken kannst.

Es stört mich ebenfalls sehr, dass wir Traditionen nutzen, um nicht über Tabus zu sprechen. Beispielsweise wird sexueller Missbrauch oft verschwiegen, weil das zur Sprache kommen, die Probleme nur größer werden ließe. Folgt man den Traditionen, ist es besser Schweigen zu wahren, denn dann zeigt man Widerstand. Inzwischen wissen wir es zum Glück besser.

Wir brauchen den Joik, der uns auf humorvolle Weise daran erinnert, dass wir Fehler machen und wir von ihnen lernen können. Wir müssen fähig dazu sein über uns selbst zu lachen, auch im öffentlichen Raum wie einem Theater.

  1. KULTURHUS BERLIN: Was möchtest du noch sagen?

Ich freue mich darauf, meine Geschichten in Berlin zu erzählen, es ist immer aufregend und ein Vergnügen auf Publikum zu treffen, denn man weiß nie, was einen erwartet. Ich bin auch dankbar, diese Geschichten aus einer Sami-Perspektive einem internationalen Publikum erzählen zu können. Es ist wichtig, dass wir selbst diese Geschichten jetzt erzählen. Das Publikum verdient es.

 

Das Interview führte Valerie Witt.

 

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