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RückblickKulturreise: 409. Jokkmokks Vintermarknad mit KULTURHUS BERLIN
Winterliche Landschaft im hohen Norden
Reisegruppe
Unterkunft
Restaurant
Lavvu von Tor Henrik Buljos
Traumhaftes Bergpanorama
Kirche in Kvikkjokk
Einschirren der Huskies
Winterliche Hundeschlittentour
Elche am Wegesrand
Jokkmokk Vintermarknad
Jokkmokk Vintermarknad
Rentierfütterung
Lasso werfen

Die ersten drei Kulturreisenden trafen am Sonntag, 02. Februar, schon zeitig in Kiruna ein, so dass sie genügend Zeit für einen Ausflug zu Rentieren, einen Besuch des Ice-Hotels in Jukkasjärvi, einem wunderbaren Abendessen und einer holzbeheizten Sauna mitten im Wald hatten, bevor die anderen fünf Gäste eintrafen.

Gemeinsam mit dem Guide von KULTURHUS BERLIN, machten sich schließlich acht Teilnehmer auf die nächtliche Reise durch tief verschneite Wälder zu den Hütten im Wald ca. 80 km nordwestlich von Jokkmokk.

Wir wohnten in drei sehr komfortablen Häusern, jedes mit drei Schlafzimmern, zwei Duschen und WC, Sauna, kompletter Kücheneinrichtung und großzügigem Ess-Wohnraum und Fußbodenheizung. Frühstück und Abendessen bekamen wir im lichtdurchfluteten Restaurant mit Blick hinaus in die nordischen Wälder, über den gefrorenen See Saggat.

Es war "warm" geworden in Sápmi nördlich des Polarkreises, mit nur noch minus sieben Grad.

Montag, 3. Februar: Nach einem späten Frühstück gingen wir auf einer festgefahrenen Motorskooterspur ein paar hundert Meter durch den Wald zum Lavvu von Tor Henrik Buljos, einem Samen, der aus Nordnorwegen nach Årrenjarka in der schwedischen Gemeinde Jokkmokk umgesiedelt ist. In seinem Zelt hatte er ein Feuer, um das wir auf Rentierfellen saßen.Es wurde Kaffee gekocht und Suorvas (leicht geräuchertes und gesalzenes Rentierfleisch in kleine Scheiben geschnitten) in Butter gebraten. Dazu bekamen wir samisches Fladenbrot und Tor Henrik erzählte Geschichten und Sagen seines Volkes, der Samen. Er erklärte uns die Rentierzucht, wie sie in der Vergangenheit war und wie sie heute betrieben wird. Das Lavvu war voller neugieriger Fragen und interessanter Antworten!

Abendessen: Elchcarpaccio mit Topinambur-Creme ("Jordärtskockan" (Helianthus tuberosus)), Rogen von der Kleinen Maräne und Schnittlauch. Lachs aus dem Ofen, gratiniertes Kartoffelpüree.

Dienstag, 4. Februar: Für jeden Gast stand ein Motorskooter bereit (nur zwei von uns mochten nicht selbst fahren und stiegen bei anderen mit auf). Immer höher hinauf ging es, über die Baumgrenze, auf's kahle Gebirge, das Fjäll! Ein wunderbarer Tag mit Sonnenschein und atemberaubenden Aussichten auf die umgebende Bergwelt des Sarek Nationalparks und das Laponia Welt-Natur- und Kulturerbe der UNESCO. Wir stellten unsere Motoren ab und lauschten in die Stille des Winters, fasziniert von der großen nordischen Natur.

Nach der Rückkehr ins Tal fuhren wir mit unserem Minibus 17 Kilometer nach Kvikkjokk am Fuße der Berge, ins Dorf am Ende der Straße, wo sich die Wanderwege Kungsleden und Padjelantaleden treffen. In der Holzkirche im "Nationalromantischen Stil" von 1907 sprach der Guide von KULTURHUS BERLIN über die Geschichte Nordskandinaviens und Nordfinnlands, über die Geschichte der Samen, die Besiedlung durch Norweger, Schweden und die Neusiedler, über die Missionierungszeit, den Silber- und Eisenerzabbau im 17. und 18. Jahrhundert – und über die Gegenwart. Nach langen und tiefgehenden Gesprächen fuhren wir bis ans Ende der Straße, um die Stimmung am Rande der Wildnis zu spüren und zu genießen, in sich hinein lauschend im Angesicht der Natur.

Abendessen: Elch Bourguinon. Blaubeergebäck.

Mittwoch, 5. Februar: In zwei Gruppen ging es mit dem Hundeschlitten hinaus in die Wälder, über gefrorenen Seen und Flüsse. Zunächst galt es beim Einschirren der vierzehn Huskies anzupacken, jedem Hund sein Geschirr anzulegen und ihn zu seinem Platz an der Zugleine vor dem Schlitten zu bringen. Dann nahmen vier Gäste auf dem Schlitten auf Rentierfellen Platz, Tor Henrik stellte sich hinten auf die Kufen und los ging es, den Hang hinunter in rasender Fahrt und hinaus auf den See. Die fleißigen Hunde verfielen in einen gleichmäßigen Laufschritt, zogen den Schlitten von See zu See, durch Wald und über gefrorene Moore. Irgendwo am Waldrand machten wir ein Feuer, saßen auf Fellen und tranken Kaffee, lauschten Tor Henriks Hundeführergeschichten – und so mancher freundete sich näher mit den Huskies an. Nach drei Stunden war die erste Gruppe zurück und nach einer Pause für die Hunde ging es erneut hinaus. Die Rückfahrt im frühen Dunkel des Nachmittags, im Schein der Stirnlampe unseres Gespannführers, wurde zu einem besonders romantischen Erlebnis. Der Guide von KULTURHUS BERLIN begleitete die Fahrten auf einem Motorskooter in großem Abstand, um die Stille nicht zu zerstören.

Abendessen: Gebeiztes und geräuchertes Reninnenfilet mit Meerrettichsahne. Gebirgssaibling mit Käsesoße und Mandelkartoffeln.

Donnerstag, 6. Februar: Nach fünfundsiebzig Minuten Fahrt nach Jokkmokk, mit Elchen und Rentieren am Straßenrand und auf der Straße, tauchten alle Reisenden ein in das Markttreiben des Wintermarktes. Die Höhepunkte bezüglich Kunst und Handwerk gab es in den Verkaufsausstellungen der Stiftung Sámi Duodji (Samisches Handwerk), der Schulen, des Samischen Ausbildungszentrums und des Museums Ájtte. Eine Lebensmittelmesse, Galerien, die kleinen von Samen betrieben Läden und vieles mehr ergänzten den Markt und die Ausstellungen. Die ersten wertvollen Mitbringsel wurden gekauft und auf der abendlichen Heimfahrt wurden Erfahrungen und Tipps ausgetauscht.

Jede Hütte hatte sich für das Abendessen Köstlichkeiten vom Markt mitgebracht, wie geräucherten Saibling, Rentierwurst, samisches Fladenbrot, aber auch ein Leichtbier aus dem Supermarkt.

Freitag, 7. Februar: Erneut wurden Elche und Rentiere auf der Fahrt nach Jokkmokk gesichtet und wieder wurde es ein aufregender Tag auf dem Markt sowie in den Ausstellungen und im Museum Ájtte, dem Schwedischen Gebirgs- und Samenmuseum. Jeder suchte sich seinen Lunch an einem Marktstand mit Suorvas-Rolle, Ren-Kebab, finnischer Bratwurst oder in dem riesigen Restaurant-Kåta der Samen.

Am Abend besuchten wir gemeinsam das Marktkonzert, ein Wiedersehen mit Jörgen Stenberg (der mit seiner Band 2013 auf dem Jubiläumsfest von KULTURHUS BERLIN spielte) und seiner Band. Jörgen berichtete vor jedem Joik über dessen Inhalt, vom Leben eines Renhirten, seiner Traurigkeit und seines Glücks, den Konflikten mit den staatlichen Obrigkeiten und der alten Sage vom Samenjungen, der die Räuber über eine Klippe in den Abgrund stürzen lässt – und vielem mehr. Es war ein sehr anrührendes Konzert, voller starker Emotionen.

Nach dem Konzert saßen wir in einem samisch geführten Restaurant zusammen.

Sonnabend, 8 Februar: Wiederwaren Elche und Rentiere am Weg zu sehen und es war der letzte Markttag mit Einkäufen und Begegnungen. Wertvolle schöne Messer, Armbänder und anderer Schmuck, ein nålhus aus Rentierhorn (Behältnis für Nadel und Faden, am Gürtel zu tragen), wunderschöne Fellmützen und ein Hemd aus weichem Rentierleder wurden gekauft. Dazu noch Leder, Felle, Horn, Holz und andere Rohmaterialien zum Werken daheim. Mit viel Einfühlungsvermögen und Verständnis für die Kultur der Samen und der Neusiedler wurde "gehandelt", wie auf dem ersten Jokkmokks Vintermarknad vor 409 Jahren!

An diesem Tag gab es in Jokkmokk einen Demonstrationszug und eine Kundgebung zur Bergbaupolitik, von der die Region Sápmi stark betroffen ist. Auch dies gehörte zum Erleben und Verstehen.

Einer unserer Gäste war an diesem Tag wegen einer Erkältung und etwas Fieber zu Hause in Årrenjarka geblieben. Er berichtete am Abend von seinem stillen Spaziergang im Schnee, zu den Hunden und am Seeufer und wie ihn die Einsamkeit und Stille ergriffen habe – das sei für einen Großstädter ein wunderschönes Erlebnis gewesen, allein aus diesem Grund wolle er gerne Sápmi und in die Natur des Nordens wieder besuchen. .

Unser schwedisches Abschlussessen bestand aus Quiche von Västerbottenkäse mit Rogen von der Maräne aus dem Fluss Kalixälv mit Saurer Sahne (gräddfil) und Roten Zwiebeln. Reninnefilet aus dem Ofen mit Blaubeersoße, Pilzen und Silberzwiebeln; Pastinakenpüree (Pastinaca sativa) mit Pastinakenchips. Warme Sumpfbrombeere (Rubus chamaemorus) mit Eis.

Der letzte Tag der Reise, Sonntag, 9. Februar, begann früh: In unserem Minibus fuhren wir zurück in das knapp 300 Kilometer entfernte Kiruna, durch eine fantastische Winterwelt..

Nach dem Abflug der ersten Reisenden, blieb den anderen noch Zeit für einen Besuch des samischen Freilichtmuseums in Jukkasjärvi, der alte Kirche von Jukkasjärvi sowie dem Ice-Hotel und zum Füttern der Rentiere.

Die Kulturreise in die Natur und Kultur Sápmis und zu Jokkmokks Vintermarknad – eine Begegnung mit einer anderen Wirklichkeit!

Reisebericht und Fotos von Hans-Joachim Gruda

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