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Eine Geschichte vom Wald

Eindrucksvolle Aufnahmen der nordfinnischen Waldlandschaft, begleitet von preisgekrönter Musik

„Es geht einfach um den Wald.“ So beschreibt eine Zuschauerin ihrer Nachbarin irgendwo hinter mir im Kinosaal den vermeintlichen Inhalt des finnischen Dokumentarfilms. Was sich so simpel wie unspektakulär anhört, verwandelt sich auf der Kinoleinwand in eine faszinierende Welt aus Naturaufnahmen, mythischen Elementen und mitreißender Musik. Die beiden Erzählerstimmen geben gleichzeitig die Rahmenhandlung vor: einen fiktiven Ausflug von Vater und Sohn in den finnischen Wald, bei dem sie in einem lockeren Wechsel aus Frage und Antwort nicht nur auf die dort beheimatete Tierwelt eingehen, sondern auch leicht assoziativ von Elfen, Waldgöttern, Trollen und anderen mythischen Wesen erzählen, die in der damaligen Vorstellung der Menschen dort gelebt und das Gleichgewicht des Waldes aufrechterhalten haben. So präsentiert sich der Wald als ein verzauberter Ort mit ganz eigenen Gesetzen, in dem Elche, Bären, Eulen, Luchse, Frösche, Schlangen, Flughörnchen und viele weitere Tiere ihr Unwesen treiben. „Eine Geschichte vom Wald“ zeigt – im Wechsel der Jahreszeiten – die Schönheit und Vergänglichkeit der nordfinnischen Waldlandschaft.

Acht Jahre dauerten die Dreharbeiten, 130 Stunden Filmmaterial waren das Ergebnis. Ein gewaltiges Projekt, welches sich die Regisseure Ville Suhonen und Kim Saarniluoto vorgenommen haben. Nur drei Männer waren es, die in dieser Zeit fast täglich und bei jeder Wetterlage in den Wäldern Nordfinnlands hinter der Kamera standen, um uns atemberaubende Bilder von der Artenvielfalt der weitgehend unberührten Natur liefern zu können. Dabei wurden keine Hilfsmittel wie Köder o.A. verwendet, um die Tiere vor die Kamera zu bekommen. Vielmehr sollte die Authentizität der Situation gewahrt bleiben. Dass dies nicht immer einfach war, erklärten Ville Suhonen und Kim Saarniluoto in einem Interview nach der Filmvorführung. So mussten z.B. die Flughörnchen, welche im Film in großartigen Nah- und Zeitlupenaufnahmen von Baum zu Baum gleiten, bereits Wochen vor den ersten Aufnahmen beobachtet und ihr Verhalten mitsamt den jeweiligen Zeiten des Kommens und Gehens protokolliert werden, um so überhaupt erst die Chance zu bekommen, sie mit der Kamera festhalten zu können. Auch der Waldbrand und der gewaltige Sturm, welcher einen riesigen Waldabschnitt von etwa 200.000 alten Bäumen zerstörte, war, so makaber es klingt, lang ersehnt und ein großer Glückstreffer für das Team. Nur so konnten sie das Ökosystem Wald von seiner verwundbaren und gleichzeitig starken Seite zeigen, wenn aus dem vollkommen zerstörten Waldstück neues Leben sprießt. Die passende Musik zu diesem Naturspektakel lieferte der Komponist Panu Aaltio, welcher für den „Best Documentary Score 2012“ mit dem „International Film Music Critics Association Award“ ausgezeichnet wurde. In Finnland avancierte „Eine Geschichte vom Wald“ bereits zum erfolgreichsten Dokumentarfilm aller Zeiten und veränderte laut Kim Saarniluoto auch das ökologische Bewusstsein vieler Menschen. Man kann nur hoffen, dass es weitere Filme dieser Art geben wird.

Julia Thomalla

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