Kontakt/Impressum  Suche       Druckansicht       Auf Facebook teilen
   

Faro

Freiheit in der Zuflucht des schwedischen Waldes

Leichtigkeit und fast klischeehaft sommerliche Lebensfreude entwirft die erste Szene des Films, in der das Mädchen Hella und ihr Vater in ihrem ländlichen Garten in Südschweden herumwerkeln. Doch die Idylle hält nicht lange, denn Hellas Vater hat einen Mord begangen, und nun ist ihm die Polizei auf den Fersen. Dabei treibt das drohende Gefängnis gar nicht so sehr den Vater zur Verzweiflung, sondern vielmehr die Tochter, die nicht vom Jugendamt in eine „richtige Familie“ gebracht werden möchte, sondern lieber beim Vater bleiben will. Also packen beide kurzerhand das Lebensnotwendige zusammen und begeben sich auf die Flucht: tief hinein in die schwedischen Wälder.

Im Folgenden zeigt der Film jedoch nicht so sehr eine dramatische Flucht, sondern vielmehr ein Dasein. Ohne ein festes Ziel suchen Vater und Tochter Zuflucht an einem willkürlichen Ort im Wald, in dem Wissen, dass Polizei und Jugendamt weiter nach ihnen suchen. Dabei haben sie nur einen Wunsch: zu leben. Die Natur nimmt hier – so urteilen die Nordischen Filmtage Lübeck – „eine gleichberechtigte Hauptrolle“ ein. Das Rauschen des Windes, das Knacken des Unterholzes, das Summen einer Mücke, das Gurren einer Taube, die Bewegung des Wassers, das Wandern des Lichts: Der Film fängt die Geräusche und Bilder des Waldes ein und gibt ihnen Raum. Die Filmmusik von Matti Bye überlagert diese Darstellung nicht, sondern fügt sich in die Geräusche des Waldes ein, hält sich im Hintergrund. Auf diese Langsamkeit und Stille des Films muss der Zuschauer sich einlassen, sie ist ungewohnt. Doch erst so entsteht Raum für die Figuren. Die langsame Kameraführung lässt uns die Figuren intensiv und hautnah erleben: Hella, wie sie durch den Wald wandert, den Vater, wie er sich im See treiben lässt, die kleinsten Regungen in ihren Gesichtern. Und gerade die bedrohliche Situation, in der sich die beiden befinden, lässt die Zeit, welche sie miteinander verbringen, so bedeutsam und kostbar werden.


Die Natur dabei nicht zu idyllisch zu gestalten, war das Ziel von Regisseur Fredrik Edfeldt. Das ist ihm gelungen. Die Bilder strahlen Ruhe aus, aber immer wieder auch Bedrohlichkeit – eingefangen in mal warmem, mal kaltem Licht – wenn Vater und Tochter gemeinsam unbeschwert durch den lichten Wald tollen oder sich in den dunklen Tiefen fast verlieren. Im Zentrum des Films steht das gleichberechtigte und respektvolle Verhältnis der Figuren. Dies darzustellen, wird gerade durch die Natur möglich. Denn sie ist keine Zuflucht, weil sie die beiden schützt, sondern weil ihr eine neutrale und urteilsfreie Rolle zukommt. Erst so wird beiden ein selbstbestimmter Aufbruch in die Zukunft ermöglicht. Diese neutrale Haltung nimmt auch der Film gegenüber seinen Figuren ein. Die Frage, ob Hellas Vater richtig oder falsch gehandelt hat, treibt zwar ihn selbst fast in den Wahnsinn, doch stellt der Film diese Frage nicht – und gerade hierdurch nimmt er seine Figuren ernst, die Clara Christiansson und Jakob Cedergren mit zurückhaltender und überwältigender Intensität und Integrität verkörpern.

Anna Frewer, Sandra Mischliwietz

Unsere aktuellen Veranstaltungen

Mai - 2016
M D M D F S S
  01
02 03 04 05 06 07 08
09 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21
22
23 24 25 27
28
29
30 31  
Sonntag, 22. Mai 2016
11:00 - Stadtrundgang
Säufer, Künstler und Gelehrte. Skandinavier in Berlin
Samstag, 28. Mai 2016
10:30 - Tiere und Märchen des Nordens
Ausflug nach Hohenbruch zum Nordischen Tierpark

Logo des Kulturhus Berlin e.V. KULTURHUS BERLIN | Tel (Mo-Mi/Fr): +49.(0)30.2093-4952 | Email: info (at) kulturhus-berlin.de