Kontakt/Impressum  Suche       Druckansicht       Auf Facebook teilen
   

In der Stunde des Luchses

Die Stunde, in der man die Himmelsharfe hört

I lossens time ist ein neuer Film vom dänischen Regisseur Søren Kragh-Jacobsen, der für Mifune (1999) und Skagerrak (2003) weithin bekannt wurde. Der neue Film ist ein psychologisches Drama, das nach einem Bühnenstück des schwedischen Autors Per Olov Enquist („Der Besuch des Leibarztes“) gedreht wurde. Das Drama zeigt uns das tragische Schicksal eines Jungen, der an einer schweren psychischen Störung leidet.

Der Film beginnt mit der Szene, in der ein brutaler Mord an einem älteren Ehepaar im verschneiten Winterwald in Schweden begangen wurde. Der Mörder ist ein junger Däne (Frederik Johansen), der im Film namenlos bleibt und einfach nur „der Junge“ heißt. Er mordete ohne jeden Grund und versuchte, sich anschließend auf dem Hof seiner Opfer selbst in Brand zu setzen. Zwei Jahre später befindet er sich in einer psychiatrischen Klinik in Dänemark, in der die Psychologin Lisbeth (Signe Egholm Olsen) ein Experiment an ihm durchführt. Mithilfe von Haustieren sollen bei ihm menschliche Emotionen gestärkt und soziale Kompetenzen entwickelt werden. Das Experiment läuft schief und der Junge fängt an, in seinem Kater, der den Namen seines Großvaters Valde trägt, die Stimme Gottes zu hören. In der Überzeugung, dass die Stimme ihm Gottes Plan verkündet, versucht er, Selbstmord zu begehen. Um die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen, wendet sich die Psychologin an die Pastorin Helen (Sofie Gråbøl), damit sie die Seite Gottes vertritt und dem Patienten hilft.

Es herrscht eine bedrückende Atmosphäre in dem Film – die düstere Psychiatrie, die furchteinflößenden Gespräche zwischen der Pastorin und dem Jungen, all dies gibt dem Zuschauer eine Vorstellung davon, was überhaupt in seinem Kopf passiert. Wo liegt die Quelle seines Wahnsinns? In seiner harten Kindheit? In seinem Aufwachsen ohne Vater und mit einer Mutter, die ihn schließlich verlässt und mit ihrem Liebhaber verschwindet? Es ist sein Großvater (Börje Ahlstedt), ein alter, rauer und sehr religiöser Mann, der zunächst nichts mit seinem Enkel zu tun haben will, ihn dann jedoch großzieht. Im Laufe der Zeit freunden sich die beiden an. Der Junge lernt viel von seinem Großvater und hört viel über Gott.

In der Stunde des Luchses ist der Name von Kragh-Jacobsens Drama. Dieser Begriff taucht mehrmals im Zuge der Handlung auf, gemeint ist die 25. Stunde des Tages, die Stunde des Luchses, wenn man die Himmelsharfe, die Gottes Wille verkündet, hören kann. Dieser Glaube ist für den Jungen sehr wichtig, da er ihn mit seinem geliebten Großvater verbindet.

Der Film ist sehr glaubwürdig und aufrichtig und lässt einen tief in die Geschichte und die Atmosphäre eintauchen. Die Story läuft nicht chronologisch. Durch verschiedene Flashbacks sowie durch die Dialoge zwischen den Protagonisten erfährt man mehr über das Leben des Jungen. Alle Einzelheiten sind vom Regisseur durchdacht. Dabei spielt auch die Filmmusik eine wichtige Rolle, die für die richtige Atmosphäre sorgt und den Film spannungsreich untermalt.

Es ist auf jeden Fall ein sehr spannender und nachdenklicher Film, den man zum Anschauen empfehlen kann und der am Ende viele offene Fragen lässt, auf die man Lust hat, Antworten zu finden.

Tatiana Akulova

Unsere aktuellen Veranstaltungen

Mai - 2016
M D M D F S S
  01
02 03 04 05 06 07 08
09 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21
22
23 24 25 26
28
29
30 31  
Sonntag, 22. Mai 2016
11:00 - Stadtrundgang
Säufer, Künstler und Gelehrte. Skandinavier in Berlin
Samstag, 28. Mai 2016
10:30 - Tiere und Märchen des Nordens
Ausflug nach Hohenbruch zum Nordischen Tierpark

Logo des Kulturhus Berlin e.V. KULTURHUS BERLIN | Tel (Mo-Mi/Fr): +49.(0)30.2093-4952 | Email: info (at) kulturhus-berlin.de